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Vom Nutzen und Nachteil der Kunst-Auktion für das Leben

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In zwei Tagen wird die rechts anstehende Studie "Genoveva" (1890) im Auktionshaus von Brühl versteigert werden. Die Chancen, das Bild wird in einem Archiv, einem Museum landen, oder in den Händen einer Person, der daran gelegen ist, es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen - in welcher Form auch  immer -, stehen denkbar schlecht. So zeichnete sich in den vergangenen Jahren nicht nur ab, daß exorbitante Gewinne bei Versteigerungen eingefahren wurden, sondern auch, daß das Gros der angebotenen Werke seinen Weg nach Californien, Amerika, in die Hände eines Herren fand, der im großen Stil Werke aufkauft, um sie dann gegen ein Entgelt wieder an Museen zu verleihen. Inwiefern das für deutsche Museen überhaupt noch eine Möglichkeit darstellt - finanziell und den Lieferweg bedenkend -, entzieht sich meiner Kenntnis. Darum breitet sich auch eher ein Gefühl von Resignation aus, landet etwas von Fidus in den Auktionshäusern. Zudem gesellen sich seit Jahren klägliche Versuche meiners…

Der Untergang des Abendlandes

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Während die einen auf der Pariser Konferenz von 1919 den japanischen Antrag ablehnten, der eine Gleichstellung aller Rassen im Völkerbund forderte, sah Fidus die Sachlage 17 Jahre zuvor schon etwas anders: "Elsa auf dem Balkone in Wilmersdorf. Das rote Gebälk hinzufantasiert sollte nicht >>japanisch<< sein, sondern einfach Holzstil. Die Ampeln waren japanisch, weil es noch keine geschmackvolle Papierkunst gab im Abendlande."  - Fidussche kulturelle Selbstkritk. 
*"Zwielichter" (1902)
Gunnar Finder / Eberswalde / postfaktischer 25.04.2018

Der Fidus-Verlag: Die Geschichte der Kunstkarten

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Der folgende Text ist mittlerweile knapp 2 Jahre alt und wird vermutlich in einer abgeänderten Form seinen Einzug in eine Publikation finden. Aus Dokumentationszwecken sei hier das Original, welches ich letztlich nur für mich schrieb, gesichert. 
 Das „Lichtgebet“ ist zweifelsohne das bekannteste Werk, das Fidus schuf. So betonte Karlheinz Weißmann in einem Artikel über „Die Ikonen der Jugend“, welche empathische Wirkung das Bild zu damaligen Zeiten auf die Jugend ausübte. Folgerichtig subsumierte er die Sinntiefe der Darstellung durch die Schlüsselbegriffe: „Lebensglaube – Schönheit – Jugend.“ In den Jahren von 1890 bis 1938 entstanden so elf Fassungen des „Lichtgebets“ aus Fidus Hand, indessen er selbst bereits 1926 in einem Brief erwähnte, der ständigen Anfragen überdrüssig zu werden. Doch auch der Vertrieb von Duplikaten, welcher in Form der bekannten Drucke und Kunstkarten realisiert wurde, steigerte die Popularität zunehmend. So erklärt sich auch die Äußerung eines Pfarrers, der…

Das (eigentlich geplante) Woltersdorfer Denkmal

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"Mein einziger öffentlicher Auftrag, weil umsonst angeboten und an der Denkmalswand ausgemeisselt."

So notierte es Fidus auf der Kunstkartenreproduktion des Reliefs am Ehrenmal der Gefallenen zu Woltersdorf (Bild rechts). Nicht weniger spöttisch fügte er auf einer anderen Karte noch den Vermerk "weil hier hinten" hinzu. Daß sich das Denkmal trotzdem in das Gedächtnis einbrannte, auch wenn es weit vor den Toren von Berlin realisiert wurde, verdankt es vor allem seiner Einzigartigkeit: Die Ehrung der 82 Woltersdorfer, die im 1. Weltkrieg ihr Leben ließen, in der Sphäre der nordischen Mythologie zu bannen, war auch für damalige Verhältnisse eine Besonderheit.
Initiiert wurde die Gedächtnisstätte 1924 vom Landwehrverein, der im selben Jahr einen entsprechenden Denkmalfonds einrichtete. Im darauffolgendem Jahr wurden die eingereichten Entwürfe verabschiedet und die Aufträge erteilt, so daß bereits 1926 das Denkmal feierlich eingeweiht werden konnte.
2017 endlich wurde…

Fidus in Eberswalde

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Daß man Fidus politisch nur schwer fassen kann, soll mit folgender Episode einmal festgehalten werden, die bis dato noch keinen Einzug in die biographischen Bemühungen fand:
In einer Publikation der Gedenkstätte Deutscher Widerstand wird Fidus mit einigen Zeilen erwähnt, die ihn in die Nähe der Jugendgruppe "Tatgemeinschaft" rückt, manifestiert in einem Bild von ca. 1935, das in Eberswalde beim Hause Prof. Streckers aufgenommen wurde. Dieser Prof. Strecker ist es auch, der als Mittler zwischen Fidus und der Gruppe fungierte. Weitere Details werden leider nicht benannt, doch zeigen sowohl die Aktivitäten der Gruppe als auch die Person Strecker, daß gerade die vermeintlich wissenschaftliche Bewertung der fidus'schen Person jüngerer Tage (beispielsweise "Aufbruch - Die Lebensreform in Deutschland") zumindest kritisch hinterfragt werden sollte.
Die Jugendgruppe "Tatgemeinschaft" war ein wild zusammengewürfelter Haufen, der sich aus ehemaligen Mitglieder …

Fidus, das heißt: Der Getreue

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Seinen Künstlernamen Fidus erhielt Hugo Höppener in den Jahren bei bzw. von seinem Meister Diefenbach, genauer: in den zwei Jahren von 1887-1889, die er in Höllriegelskreuth bei München verlebte. Nämlich dort hatte sich Diefenbach niedergelassen und sich, den widrigen Umständen entziehend, einen kleinen Mikrokosmos geschaffen, in dem er mit seiner Familie und seinen Schülern einem Leben nachstrebte, das seinen Idealen entsprach. Und in dieser trauten Abgeschiedenheit geschah es dann auch, daß man sich aller Kleider entledigte, ohne jedoch mit des Kaisers beäugelnder Gendarmerie gerechnet zu haben. Das Resultat dessen mündete in einer kurzen Haftstrafe, die Hugo für seinen Meister, der als Urheber verortet wurde, aussaß. Diefenbach verlieh ihm daraufhin den Namen Fidus, der Getreue. So weit, so bekannt, so Konsens... Zu Irritationen kam es indes, als ich mich erneut an der Lektüre vergriff, die Fidus' Zeitgenossen sich anschickten über ihn zu verfassen. Sowohl Spohrs Monographie &…

Causa Woltersdorfer Verschönerungsverein

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Der Woltersdorfer Verschönerungsverein existiert nun schon seit über 130 Jahren, wenngleich es 1990 zu einer Neugründung kam, da man wohl zuvor eine obligatorische Pause im Wirrnis der DDR einlegte, um alle Volkes-Kräfte dem Wohle der Partei zukommen lassen zu können. Die Aufarbeitung der örtlichen Geschichte, sie greifbar zu machen und sie vor allem zu wahren, sind die ehrbaren Ziele, denen der Verein nachgeht. Unumwunden würde ich Ihnen sogar attestieren, dies nicht nur erfolgreich sondern auch mit Bravour zu meistern. Fidus, der sich bekanntermaßen dazu entschied, das Gros seines Seins in Woltersdorf zu verleben, ist dabei ein fester Bestandteil der Agenda des Vereines geworden. Nun geschah es aber, daß ein Beeskower daher kam und ebenfalls reges Interesse für Fidus empfand; etwas, das ihm wiederfuhr, in ihn fuhr, ohne daß er es zu verhindern gewußt hätte. Obendrein hatte er den perfiden Plan entwickelt, anläßlich des bevorstehenden 150. Geburtstages Fidus', ein Buch zu publiz…